Festschrift 5-11

Glänzend gestalteten sich auch oft die Abschiedsfeiern der von Oberhausen Ver­ziehenden. Und solcher Feiern gab es recht viele; denn von jeher war Ober­hausen nur ein Durchgangspunkt für Beamte, und als Wohnsitz für Ruhe­ständler eignete es sich trotz der Reize des Haideblümchens wenig.

Hermann Nolten

Prof. Fr. Ruhte hat mit Recht die Zeit von 1862 bis 1890 die Sturm- und Drangperiode des Haideblümehens genannt. Nach diesen fast 30 Jahren be­gann der Pulsschlag ruhiger zu werden. Ein Rückgang in dem geselligen Leben trat immer deutlicher zutage. In einer Vorstandssitzung,  vom 15. Januar 1894 wird vorgeschlagen, zur Hebung des Verkehrs fortan bis auf weiteres jeden Samstag Bierkommers und jeden Sonntag, abends 71/ Uhr, Familien­abend stattfinden zu lassen. Das ist auch ohne großen Erfolg gewesen, denn in einer Generalversammlung vom 6. Juni 1896 wurde die Frage aufgeworfen, „was für Maßnahmen zu treffen seien, um den Besuch und das Interesse der Mitglieder zu heben.” Es wird die Absicht vertreten, die Instandsetzung und innere Ausrüstung der Gesellschaftsräume seien in erster Linie als eine ge­eignete Maßnahme anzusehen, bei der ungünstigen Finanzlage müßte dazu eine Anleihe gemacht werden.

Ein Beweis für den schlechten Besuch, selbst der Generalversammlungen, ist wohl auch der am 2. Juli 1892 gefaßte Beschluß: „Die Generalversammlung ist heschlußfähig, wenn 15 (statt bisher 21) ordentliche Mitglieder anwesend sind”. Eine Generalversammlung vom 12. Juni 1897 ändert den § 18 der Satzungen dahin um, daß der Vorstand alljährlich in der im April (bisher im Januar) ein­zuberufenden Generalversammlung neu gewählt wird. In einer weiteren Generalversammlung vom 6. August 1897 wird dieser Beschluß dahin er­weitert, daß auch der Beginn des Geschäftsjahres auf den 1. April verlegt wird. Als auch die auf Seite 31 erwähnte Erneuerung des Gesellschaftshauses sowie die anderen gesellschaftlichen Maßnahmen noch nicht ihren Zweck, den Be­such des Hauses zu verstärken, errreicht hatten, kam Herr J. Reinhard, der bereits seit 1861 eifriges Mitglied war und auch noch gegen Ende des Jahr­hunderts zusammen mit einigen anderen Unentwegten zu den treuesten Ver­ehrern des Haideblümchens gehörte, auf den glücklichen Gedanken, einen Altherrenabend zu veranstalten, uni dadurch die Teilnahme solcher Mitglieder wieder anzuregen, die nur selten erschienen. Am 8, Januar 1899 fand dieser erste Altherrenabend statt und nahm einen üb, alles Erwarten glänzenden Verlauf. Nicht nur strömten die aktiven Mitglieder in großer Zahl herbei, sondern auch von auswärts, zum Teil aus weiter Ferne, kamen 14 ehemalige Mitglieder zu diesem Fest nach Oberhausen, um zu beweisen, daß alte Liebe nicht rostet.

Am 30. September 1899 feierte Oberhausen das 25 jährige Jubiläum seines lestchcns als Stadt. In dem Festbericht werden 6 Mitglieder des Haideblüm­chens als Beigeordnete der Stadt in den vergangenen 25 Jahren genannt, und von diesen 6 war bereits Fr. Blumberg Beigeordneter gewesen.

Ein zweiter Altherrenabend fand am 13. Januar 1900 statt, aber ohne den großen Erfolg des ersten. Die einheimischen Mitglieder erschienen nicht ebenso zahlreich, was nicht zu verwundern, da erst am 6. Januar das Stiftungsfest gewesen war, und von den auswärtigen alten Herren kamen nur 7.

Auch eine weitere, gleichfalls von J. Reinhard ins Leben gerufene Einrichtung hatte nicht den gewünschten Erfolg. Das war der sogenannte W8 c h n er- v e r ei n, dessen Mitglieder sich verpflichteten, mindestens einmal in der Woche in der Gesellschaft zu verkehren, widrigenfalls sie 0,50 Mit. in die Vereinskasse zu zahlen hatten. (1926 hat J. Reinhard’s Sohn, Hugo Reinhard, diesen Wöchnerverein wieder aufleben lassen.) Der Verkehr blieb schwach.

Es schien, als ob die frühere Geselligkeit und Fröhlichkeit gänzlich verschwun­den sei. Nach all diesen gut. gemeinten Versuchen, den Verkehr zu heben, kann endlich im Geschäftsbericht Tiber das Jahr 1900/01 wieder ein stärkerer Verkehr in der Gesellschaft festgestellt werden.

Julius Reinhard

Vielleicht hat dazu nicht Wenig die Gründung einer festen Kegelgesellschaft beigetragen. Bis 1900 war die Kegelbahn benutzt worden, wie gerade Mitglieder Lust zum Kegeln hatten oder sich für einzelne Abende verabredeten; besondere Kegelvereine gab es in der Gesellschaft bis 1900 nicht, obgleich schon am 18. Januar 1898 in einer Vorstandssitzung bestimmt worden war, daß ständige Kegelgesellschaften 1.50 Mk. je Abend, gelegentliche dagegen den ganzen ein­gegangenen Betrag an Kegelgeldern an den Okonomen abzuführen hätten.

Ins Oktober 1900 schloß sich eine Anzahl von Mitgliedern des Haideblümchens zu einem ständigen Kegelklub zusammen, nannte ihren Klub „Feuchte Kugel” und wählte den Mittwochabend als Kegelabend. Dieser Kegelklub wird zuerst erwähnt in einer Vorstandssitzung vom 17. Oktober 1900, in der der Ver­gnügungsdirektor mehrere Verbesserungen an der Kegelbahn vorschlägt. Die

..Deuchte Kugel” ist lange :fahre der einzige, nur aus Mitgliedern des Haide­blümchens bestehende Kegelklub in der Gesellschaft gewesen und besteht heute noch in alter Blüte und Tüchtigkeit. Berühmt und auch von Nichtkeglern gern mitgemacht waren stets seine Sommerausflüge mit und ohne Damen, die oft bi, weit an den Rhein hinführten und Gelegenheit boten zu schönen Fuß­wanderungen und zu noch schöneren, feucht-fröhlichen Fahrten auf einem lt heindampfer. Nicht minder beliebt waren seine Gänse- und Hasenessen im Winter.

Die Mitglieder pflegten an ihren Kegelabenden schon vor Beginn des Kegclns ins Biersaal zusammenzukommen und auch nach Schluß dort noch in aller Gemütlichkeit etwas länger zu verweilen. Zu ihnen gesellten sich dann recht oi I andere Mitglieder des Haideblümchens, und so kam denn wenigstens mitt­wochs ein lebhafterer Besuch des Hauses zustande. Manchen Nichtkegler lockte wohl auch mittwochs die Aussicht ins Gesellschaftshaus, noch den einen oder Anderen Kegler zu einem Skat oder Doppelkopf verleiten zu können.

1911 zog ein weiterer Kegelverein, der „Freitagklub”, in das Haideblümchen in. Er hatte schon längere Zeit im Hotel „Hof von Holland” gekegelt und bestand im Anfang nur zu einem Teil aus Haideblümchenmitgliedern. Auch ,eine. Feste erlangten eine gewisse Berühmtheit.

Von jeher war im Haideblümchen viel über mangelhafte Weinverhältnisse geklagt worden. 1893 hoffte die Gesellschaft durch Einsetzung einer beson­deren Weinkommission, bestehend aus den beiden Kellermeistern und drei weiteren Gesellschaftsmitgliedern, sowie durch Ausgabe von Anteilscheinen ~eine Weinverhältnisse und die Einkünfte aus dem Weingeschäft verbessern au können. Die daran geknüpften Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Es ki vielmehr bald ein langjähriger, hartnäckiger Kampf zwischen der Gesell­,ehaft und der Weinkommission, deren Hauptvertreter die Herren Fr. Ham­sterstein und Fr. Luckas waren, daraus entstanden, der 1897 beginnt, den Vorstand und die Gesellschaft fortwährend in Atem hält, sich auch durch eine große Zahl von Protokollen hinzieht und schließlich sein Ende damit erreicht, (laß gemäß „den mit der Weinkommission gepflogenen Verhandlungen” das Weingeschält am 1. April 1900 wieder an die Gesellschaft übergeht. Ob die Weinverhältnisse in den nächsten fahren besser geworden sind, läßt sich aus den Akten nicht ersehen. In der Generalversammlung vom 23. April 1910 wird der Antrag gestellt, daß ein Kartellverhältnis mit der Gesellschaft „Kasino” in Duisburg angestrebt werden solle. Diese nimmt das Anerbieten an. Da die Weinkellerei dieser Gesellschaft weithin rühmlichst bekannt war und das Haideblümchen bald darauf dazu überging, seine Weine von dort zu beziehen, so liegt die Vermutung nahe, daß das überhaupt der Zweck der Anbahnung eines Kartellverhältnisses war. Zu einem gesellschaftlichen Verkehr zwischen beiden Gesellschaften ist es kaum gekommen, es sei denn, daß Weinproben in dem anheimelnden Probierstübchen des Kasinos dafür angesehen werden könnten.

Das neue Jahrhundert brachte in der Veranstaltung von Festlichkeiten kaum eine Veränderung. Die Zahl der jährlich zu veranstaltenden Winterfeste schwankte zwischen 4 und 7. Jedes Jahr wurde das Stiftungsfest in „üblicher Weise”, d. h. mit einem Festessen und darauffolgendem Tanz, gefeiert. Auch ein Maskenball fehlte selten, und diese Maskenbälle sind wohl noch bei allen Festteilnehmern in der angenehmsten Erinnerung. Wie mancher von ihnen versenkt sich noch heute gern in den Anblick der damals aufgenommenen Bilder. Und welche Lust für jung und alt war der Betrieb auf der Rutschbahn, die eigens für diese Zwecke angeschafft worden war. Kleinere Tanzabende wurden öfter durch theatralische Liebhabervorfiihrungen eingeleitet, die allge­meine Heiterkeit erregten. Als einmal wieder ein gemeinsamer Ausflug nach auswärts angeregt wurde, wurde das abgelehnt mit der Begründung, daß die Mitglieder nicht nach auswärts geführt, sondern mehr an den Besuch des eigenen Hauses gewöhnt werden müßten. Infolge davon wurde statt des Aus­flugs ein Gartenkonzert veranstaltet.

Am 1. April 1890 wurde der 75. Geburtstag des Altreichskanzlers, des Fürsten Bismarck, durch einen auch Nichtmitgliedern zugänglichen Kommers auf wür­dige Weise gefeiert. Diese Feier wurde in der Folgezeit alljährlich bis zu des großen Mannes Tode im Jahre 1898 wiederholt, und zwar sollte diese Feier „nicht”, wie der Vorsitzende am 13. November 1892 betonte, „politische Beweggründe haben, sondern nur gedacht sein als sichtbarer Ausdruck der Verehrung und Dankbarkeit”.

Es möge hier noch hinzugefügt werden, daß das Haideblümchen niemals selbst eine eigene Kaisers-Geburtstagsfeier abgehalten hat. Wenn aber nach dem offiziellen, von der Stadtverwaltung veranstalteten Festessen Bierdurst sich einstellte, dann eilte alles, Mitglieder und Nichtmitglieder, Frack- und Uniform­, räger, zum Haideblümchen und setzte hier bei Becherklang und frohem (;esang die Feier fort, oft bis in die Morgenstunden hinein. Wer von den dama­ligen Teilnehmern dächte da nicht unwillkürlich an Professor Otto Schmidt, (ler bei diesen und anderen festlichen Gelegenheiten jener Jahre kräftiglich zu präsidieren, mit schmetternder Stimme seine Lieblingslieder vorzutragen und recht ulkige Bierreden zu halten, sowie an Prof. J. Friesenhahn, der allgemeine . und Einzelgesänge meisterlich und unermüdlich auf dem Klavier zu begleitest pflegte? Auch andere Mitglieder, so Herr Karl Schaefer, folgten dann wohl lern Beispiele Schmidts und erfreuten uns durch den Vortrag eines Liedes.

Der Besuch des Hauses gestaltete sich auch nicht wesentlich lebhafter als in den 90er Jahren des verflossenen Jahrhunderts. Abgesehen vorn Mittwoch versammelten sich die Mitglieder in größerer Zahl wohl noch an den Samstag­abenden, wo der Betrieb zuweilen bis in die Nacht hinein sich ausdehnte, und allenfalls noch sonntags beim Dämmerschoppen. An anderen Abenden saßen lt in der Dämmerstunde die älteren Herren Luckas, Könentann, Mühlemeier, Hammerstein und wenige andere bei ihrem Scböppchen Wein und gedachten wehmütig vergangener Zeiten. Sie verübelten es dem Weinkommissar eines Tages sehr, als er, der Not gehorchend, den Preis für den Schoppen Wein von 15 Pfg. auf 50 Pfg. erhöhen mußte (1912; o schöne Zeit!).

Das 50jährige Stiftungsfest, gefeiert am 10. Januar 1903, scheint sich in be­scheideneren Grenzen gehalten zu haben als das 25jährige. Es unterscheidet •.ich nicht wesentlich von den alljährlich gefeierten. Am ‘1. Dezember 1902 wird als Festfolge in Aussicht genommen: 1. Prolog mit Theatervorstellung, 1. Festessen mit den offiziellen Reden, 3. Ball. Es werden zur Durchführung freiwillige Beiträge erbeten und beschlossen, frühere, jetzt auswärtige Mit­glieder dazu einzuladen. Für das Fest soll der Biersaal mit einem neuen Anstrichs versehen, auch sollen die Fenstervorhänge ausgebessert werden. Ober den Ver­lauf des Festes steht nichts in den Akten; auch sind keinerlei Bierzeitung., Gedichte u. a. m. von diesem Fest auf die Nachwelt gekommen.

Das Haideblümchen mußte, wie früher immer schon, auch im neuen Jahr­hundert sparsam sein. Ein typisches Beispiel für seine Sparsamkeit ist die Frage eines Fernsprechanschlusses. Bereits am 25. Februar 1893 wurde im Vorstand ein Antrag gestellt auf Anschluß an die Bezirks-Fernsprechanlage. Es wurde aber zur Zeit der Kosten wegen davon Abstand genommen. Am 26. Juli 1902

wird der Anschluß beschlossen, aber vorläufig bis zum September 1902 auf­geschoben und abermals besprochen am 14. Februar 1903. Aber erst im Haus­haltsplan 190405 taucht ein Posten für Telephongebühren auf. Am 23. April 1910 wird in einer Generalversammlung beschlossen, da bisher die Kosten außergewöhnlich groß und eine Kontrolle sehr schwer sei, ein Automattelephon anzulegen und für jedes Gespräch 0,10 Mk. zu erheben.

Bis zum 15. November 1898 waren bei der städtischen Sparkasse in Oberhausen verschiedene Anleihen im Gesamtbetrage von 42 000,— Mk. zu 474 Prozent aufgenommen worden. Von seiten der Sparkasse erfolgte die Kündigung dieser Schuld zum 1. Mai 1899, sofern die Gesellschaft nicht bereit sei, 41/2 Prozent zu bezahlen. Von anderer Seite war Anleihekapital nicht zu erhalten, „weil (vergl. Vorstandssitzung vom 20. Februar 1899) grundbuchamtlich Verzicht­leistung auf Schadenersatz aus dem Bergbau der Zeche Concordia eingetragen ist”. Es müssen also der Sparkasse vom 1. Mai 1899 ab 41/2 Prozent an Zinsen gezahlt werden. Dazu kommen an Schulden:

  1. 450 Ausstattungs-Anteilscheine zu je 25,— Mk.
11 250,— Mk.
  1. 22 Wein-Anteilscheine zu je 100,— Mk.
2 200,— Mk.
3. 2 persönliche Darlehen von je 1000,— Mk. 2 2000,— Mk.

Die letztgenannten sollen mit 250,— Mk. jährlich getilgt werden; ein Rest von 1500,— Mk. verschwindet aber erst 1910/11 aus den Büchern. Die unter 1 und 2 genannten Schulden sollen durch jährliche Auslosung abgetragen wer­den; die Auslosung erfolgt in den folgenden Jahren nach Möglichkeit und soweit „die Geselligkeit nicht darunter leidet” (vgl. Vorstandssitzung vom 1. April 1900). Immerhin besteht am 1. April 1913 noch eine Schuld an An­teilscheinen, 1. 10 500,—, 2. 1 700,— Mk. Die Auslosung hat also nur lang­sam Fortschritte gemacht. Zur Sicherheit der Anteilscheininhber ist eine Grundschuld von 15 000,— Mk. auf der Besitzung der Gesellschaft eingetragen. Eine Generalversammlung vom 25. Januar 1911 beschließt die Aufnahme einer Anleihe bei der städtischen Sparkasse von 10 000,— IVIk. „zur Instandhaltung des Gesellschaftshauses und Verbesserung der inneren Einrichtung”. Die ge­samte Hypothekenschuld von 52 000,— 51k. muß von nun an mit 43/9 Pro­zent verzinst werden.

Die sich am 21. Januar 1905 bietende Aussicht, das Gesellschaftshaus an den Postfiskus zu verkaufen, verwirklicht sich nicht, ebensowenig die am 9. März

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